Leben in einem Slum – Videokonferenz mit Gulfasha Ansari

Stellen wir uns einmal vor, wir müssten in provisorischen Bauten leben. Es gäbe keine ausreichende Versorgung mit Wasser und Elektrizität, Kanalisation, Müllabfuhr. Die Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel wäre nicht vorhanden, Geschäfte der Grundversorgung existierten nicht. Medizinische Versorgung und Bildungsmöglichkeiten gäbe es kaum.

Was für uns – hier im wohlhabenden Deutschland – undenkbar, ist Realität für viele Millionen Menschen auf dieser Welt. Sie leben in Slums.

Am Donnerstag, den 03.12.2020, hatten die Schüler*innen der 11ten Klasse im Fach Geographie die Chance, sich direkt mit einer Expertin aus Indien zum Thema auszutauschen. Gulafsha Ansari, die Gründerin und Präsidentin der Nichtregierungsorganisation (NGO) „Dreaming in a Slum“, wurde auf digitalem Weg per Videokonferenz zu einem Interview eingeladen.

In den vorangegangenen Unterrichtsstunden wurde das Thema Megastädte und deren innere Gliederung besprochen. In Deutschland gibt es solche Strukturen nicht. Daher fällt es schwer, sich das Leben in diesen städtischen Lebenswirklichkeiten vorzustellen, insbesondere dann, wenn es sich um Marginalsiedlungen oder Slums handelt.

In 90 Minuten wurde Frau Ansari in englischer Sprache durch die Schüler*innen zu verschiedenen Themenblöcken befragt. Es ging um die Lebenswirklichkeit in einem Slum, um den Umgang mit Kriminalität und Gewalt, die Stellung der Mädchen/ Frauen in der indischen Gesellschaft, um die medizinische Versorgung und den Zugang zu Bildung.

Durch die technische Ausstattung der Schule war es möglich, dass sich alle Schüler*innen gleichermaßen am Interview beteiligen – jeder durfte seine Fragen stellen und Frau Ansari konnte zu allen Fragen mit fundierten Zahlen und eigenen Erfahrungen antworten.

Expertin mit beeindruckender Lebensgeschichte

Gulfasha Ansari ist im größten Slum Asiens (Dharavi, Mumbai) aufgewachsen. Sie hat „International Business“ und „Sportmanagement“ studiert. Als Gründerin und Präsidentin der NGO „Dreaming in a Slum“ hat sie selbst einen beeindruckende Lebensgeschichte vorzuweisen. Heute hilft sie anderen getreu dem Motto „Be the change you want to see in the World“ – „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ (frei nach Ghandi). Ihre NGO fördert und stärkt Mädchen in Dharavi, um sich Perspektiven für ihr Leben zu erarbeiten.

Digitale Bildung in der Unterrichtspraxis

Die Videokonferenz im Geographie-Unterricht mit einer Fachexpertin aus Indien zeigt den Wert von digitalen Medien für das Lernen. Wir können zu gleicher Zeit und ortsunabhängig mit Menschen in Kontakt kommen, deren Lebensrealität sich deutlich von unserer unterscheidet. Wer Menschen, wie Gulfasha Ansari kennenlernt, wird angeregt, über das eigene Dasein nachzudenken, über kulturelle Unterschiede, über das Glück, in einem wohlhabenden Land geboren zu sein und über die Frage, was jeder selbst tun kann, um die Welt ein Stück im Positiven zu verändern, trotz aller Probleme, die unlösbar erscheinen.

Das Format der Videokonferenz ist Teil des schulinternen Curriculum im Fach Geographie, Klassenstufe 11. Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln, gehören seit dem Schuljahr 2019/2020 zum Rahmenlehrplan an Schulen in Sachsen-Anhalt. Das Medienbildungskonzept der Evangelischen Gesamtschule verfolgt dabei das Ziel, den Kompetenzaufbau im Unterricht so praxisnah wie möglich zu gestalten.

Verbindung zum Kompetenzrahmen „Bildung in der digitalen Welt“

Betrachtet man die Videokonferenz aus der Sicht des Strategiepapiers der Kultusministerkonferenz zur „Bildung in der digitalen Welt“, an dem sich der Rahmenlehrplan orientiert, dann wurden folgenden Kompetenzen aus dem Bereich „Kommunizieren und Kooperieren“ besonders gefördert.

  • Interagieren: Mit Hilfe verschiedener digitaler Kommunikationsmöglichkeiten kommunizieren
  • Umgangsregeln kennen und einhalten: Kulturelle Vielfalt in digitalen Umgebungen berücksichtigen