„frau denkt nach“ … und besucht unsere Schule

Link zur Facebook-Präsenz von "frau denkt nach"

Wie kann lebensnahes Lernen in der Schule aktuell funktionieren? Das haben sich am 25. Februar 2020 rund 20 Unternehmerinnen und weibliche Führungskräfte in der Evangelischen Gesamtschule angeschaut. Die Frauen gehören zum regionalen Unternehmerinnen-Netzwerk „frau denkt nach“ und treffen sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch, zu Fachvorträgen oder Firmenvorstellungen. Weiterhin engagiert sich „frau denkt nach“ bei sozialen Projekten, u.a. bei der Organisation des jährlichen Benefiz-Suppenbuffets auf dem Wittenberger Marktplatz.

Für unsere Schule war das Treffen eine gute Gelegenheit, sich im direkten Gespräch auszutauschen über das, was uns ausmacht und wie wir unsere Schüler*innen auf das Leben vorbereiten.

Wirtschaftsabläufe und unsere Marmeladenproduktion

Marmeladen aus der Ernte unseres Schulgartens und des Luthergartens

Spannend für unsere Gäste war unser Ansatz, Schüler*innen über unseren Herstellungsprozess von Marmelade ganz praktisch an den Wirtschaftskreislauf heranzuführen: wir ernten Obst und Gemüse im eigenen Schulgarten oder im Luthergarten, mit dem wir eine Kooperation haben. Wir stellen Rezepte zusammen, kalkulieren (Zeit, Geld, Wareneinsatz), produzieren über unsere Fächer Hauswirtschaft und Berufs- und Lebenskunde die Marmelade, entwickeln Werbe-bzw. Marketingmaterial in der Freiarbeit oder in AGs und verkaufen im persönlichen Kontakt z.B. auf dem Weihnachtsmarkt der Vereine oder zum Tag der offene Tür unserer Schule. Die Schüler*innen können über diese praktischen Wege bereits ihre Kompetenzen und Fähigkeiten herausfinden, was bei der späteren Berufswahl helfen wird.

Unsere Produktion und die Grenzen des Wachstums

Upcycling an der Evangelischen Gesamtschule – Taschen aus Verpackungsmaterial

Materialressourcen (Ernte), Zeitressourcen (Unterrichtsstunden), Personalressourcen (Schulgemeinschaft) sind eingeschränkt und deswegen ist unsere Produktion nicht „nach oben offen“. Hier unterscheiden wir uns vom Absatzwunsch eines Unternehmens. Vornehmliches Ziel ist nicht Wachstum um jeden Preis. Wir lernen mit unseren Produkten die Grenzen des Wachstums erkennen. Das steht im Einklang mit unserem Wunsch als Evangelische Schule, die Schöpfung zu bewahren und mit Ressourcen pfleglich umzugehen. Entsprechend richten wir unsere Produkte aus: ist der Honig unserer vier Bienenvölker oder die Marmelade verkauft, dann muss gewartet werden auf die neue Ernte. Und was dazwischen getan werden kann, um Geld einzunehmen, liegt in der Kreativität der Schüler*innen. Aktuell werden z.B. Taschen aus Recycling-Material produziert. Das ist für uns wirtschaftliches Denken, was unsere Ressourcen schont.

Geld verdienen und Schulprojekte finanzieren

Handwerker – AG der Klassenstufen 5 und 6

Das eingenommene Geld fließt an unseren Förderverein. Der wiederum gibt unseren Schülerinnen wieder Geldmittel zurück in Form von finanzieller Unterstützung von Projekten innerhalb des Unterrichts oder der Arbeitsgemeinschaften. Dafür können jederzeit Projektanträge gestellt werden. Mit dieser Struktur haben wir auch beste Grundlagen, Wirtschafts-Themen in unserer Gymnasialen Oberstufe praktisch zu vertiefen. Ab 2020/2021 wird Wirtschaft eins der angebotenen Wahlpflichtfächer für das Abitur an unserer Schule sein.

Ein modernes Schulgebäude und der Schulalltag

Blick in die Aula, Copyright Antje Weiiß

Ein weiterer spannender Agendapunkt am Abend war die Führung durch unser modernes Schulgebäude mit seinen Fachkabinetten und vor allem mit der technischen Ausstattung. Das es nicht reicht, nur Hardware hinzustellen, ist besonders Unternehmerinnen klar. Es ist mit der Einführung der IT festzulegen, wie der Betrieb danach läuft. Wir sprachen darüber, wie wichtig es für einen reibungslosen Unterricht (und die Stärkung des Lehrpersonals) ist, dass die technischen Geräte funktionieren und wie wir genau diese Anforderung mit unseren Support-Strukturen sicherstellen.

Das Kollegium unterstützen und begleiten

Und wir konnten beispielhaft erklären, welchen Wert wir auf die Unterstützung des Kollegiums gelegt haben. Aktiv und vor Ort bei der Einführung von neuer Technik zu helfen, hat an unserer Schule gewirkt: das Vertrauen unserer Lehrer*innen in die eigenen Kompetenzen wurde gestärkt, sie bauten Schritt für Schritt ihr digitales Wissen auf und konnten sich im eigenen Tempo weiterentwickeln. Heute ist die Nutzung der technischen Geräte kein Problem mehr, das Kollegium hilft sich gegenseitig und wenn es schwierig wird, können wir zügig auf einen Dienstleister zurückgreifen. Das wir diesen Stand geschafft haben, werten wir als großen Erfolg unserer Schule in diesem schwierigen Veränderungsprozess von analoger zu digitaler Bildung.

Modern ausgestattet und handyfrei – warum?

Unternehmerinnen testen unsere PCs, Copyright Antje Weiß

Verwunderung gab es durchaus über die Tatsache, dass unsere Schule „handyfrei“ ist und dass es durch unsere Hausordnung klare Regelungen gibt, wie mit Verstößen umgegangen wird. Unser Ansatz ist es, den Schüler*innen in der Schulzeit Freiraum zum Denken und Ausprobieren zu geben, ohne ständige Ablenkung von Nachrichten, die „gecheckt“ werden müssen oder Angst vor Verbreitung unpassender Bilder, wenn jemand einen Fehler macht.

Umgang mit Sozialen Medien

Auch wenn unsere Schule handyfrei ist, wirken die Aktivitäten im Netz auf unseren Schulalltag. Deswegen haben wir auch seit kurzem Richtlinien im Umgang mit den Sozialen Medien. Ziel ist es, eine gemeinsame Wissensgrundlage in der Schulgemeinschaft zu haben und bei Problemen besser reagieren zu können. Auch für die zukünftige Berufswahl ist es uns wichtig, dass Schüler*innen wissen, worauf sie achten müssen.

Eine unserer wichtigsten Empfehlungen im Umgang mit Sozialen Medien: „Erst denken, dann publizieren“ (Copyright Shannon Long)

Unsere Gäste konnten in den PC-Räumen selber einen kurzen digitaler Test durchführen und herausfinden, wie gut ihr Wissen zum Schutz ihrer eigenen Daten im Internet ist. Der Einfluss von Sozialen Medien auf Jugendliche und die Schule, die sich damit auseinandersetzten muss, hat in dem Zusammenhang zu viel Gesprächsstoff geführt. Dass den Umgang mit Sozialen Medien viele Unternehmen für sich bereits geregelt haben bzw. zukünftig mit den Mitarbeitern regeln sollten, wurde von den Unternehmerinnen klar als wichtiges Thema identifiziert. In dem Bereich ist sicher noch viel Austausch zu erwarten.

Digitale Bildung – ständig vor den Geräten?

Wir sind in der glücklichen Lage, als Schule auf eine moderne Ausstattung zurückzugreifen. Sie ermöglicht uns, den Kompetenzaufbau im Bereich der digitalen Bildung aktiv in die Unterrichtsgestaltung einzubinden. Dabei wird die Medienbildung – wie es das Land Sachsen-Anhalt vorsieht – fächerübergreifend vermittelt. Wir machen unsere Schüler*innen fit für die digitale Zukunft. Dabei achten wir darauf, dass die Geräte nicht ständig eingesetzt werden. Je nach Thema bieten wir eine ausgewogene Mischung zwischen digitalen und analogen Methoden an, um Inhalte zu vermitteln.

Der Abend hat unseren Besucherinnen gezeigt, dass unsere Schule kein „Elfenbeinturm“ ist. Wir wollen unsere Schüler*innen aufs Leben vorbereiten. Deshalb freuen wir uns über jeden Impuls, der Lebensnähe in die Schule bringt und Rückmeldung liefert, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Danke an „frau denkt nach“ für den konstruktiven Austausch an diesem Abend.