Corona – Was würde Jesus tun?

Heute ist der 16. Dezember 2020. Die Schule ist das erste Mal seit dem Frühjahr Corona-bedingt geschlossen. Der Distanzunterricht beginnt für alle. Die 8. Klassenstufe wurde bereits zwischen dem 3. und 10. Dezember aufgrund einer prophylaktische Quarantäne aus der Ferne unterrichtet. Während dieser Zeit erhielten die Schüler*innen der 8b im Fach Religion eine Aufgabe mit der Frage „Was würde Jesus tun?“ Sie sollten sich in eine Szene hineinversetzen, in der Jesus die Menschen besuchen will und mitten in der Corona-Zeit landet.

An dieser Stelle veröffentlichen wir drei der bemerkenswerten Kurzgeschichten, die in der Quarantäne-Zeit entstanden sind. Sie haben einen großen Wert. Sie beschreiben die aktuelle Situation aus Sicht von Schüler*innen im Alter von 13 und 14 Jahren. Und das ist nicht häufig zu lesen. Aktuell überwiegen Stimmen der Älteren, speziell in den öffentlichen und sozialen Medien. Dazu gehören auch Verschwörungstheorien, die gefährlich sind, weil das Leben verunsichern.

Danke an alle Schüler*innen für ihre Beiträge. Bleibt gesund und behütet!

Jesus in der Coronazeit

Die Geschichte erzählt von Lisanne.

Als ich auf die Erde kam, sah ich alle mit einer Maske. Im Supermarkt durfte nur eine bestimmte Anzahl an Leuten rein und überall waren Polizisten. Ich wunderte mich und ging dann zu zwei Mädchen. Sie schrien mich an, dass ich nicht näherkommen sollte. Was ist wohl mit der Menschheit passiert? Ich ging zu einer alten Oma und fragte, was passiert ist. Zuerst hat sie mich komisch angeguckt, dann fragte sie, was genau ich meine. Ich fragte sie, warum hier alle eine Maske tragen und sie sagte irgendwas von einem Corona-Virus und dass sie sterben würde. Ich sagte „alles wird gut“ und ging weiter durch die Straßen. Überall waren die Leute am Handy und als ich auf dem Bildschirm guckte, hatten sie alle eine Warnapp offen. Ich fragte, ob ich kurz das Handy haben dürfte. Mal wieder sah man mich komisch an, aber ein älterer Mann gab es mir. Zuerst war ich ein bisschen verloren, habe mich aber auch schnell eingefunden. Ich googelte ,,Corona“ und sah, dass wir im Jahr 2020 sind. Ich dachte kurz nach und dann fiel mir ein, dass das die Pandemie war. Ich wusste, dass sie bald vorbei ist. Ich stieg auf eine Bank und schrie „Hört mir zu!“. Niemand hat mich angeguckt, ach du je, eine schlimme Gesellschaft. Ich wiederholte mich und dann sahen sie mich an. Ich sagte ihnen, dass das alles bald vorbei ist und sie Hoffnung behalten sollen. Sie sollen die Regeln, solange sie es müssen, einhalten und dass, wenn wir alle zusammen halten, die Pandemie bald vorbei sein wird. Sie sahen mich hoffnungsvoll an und dankten mir.


Das Jahr 2020 – eine sehr verrückte Zeit. Jesus 2020 in der Krise.

Die Geschichte erzählt von Jonas.

Jesus läuft durch die Stadt und spricht mit den Leuten. Er gibt ihnen Kraft und rät ihnen, auf sich achtzugeben. ,,Tragt eure Maske, zu eurem Schutz. Zeigt Vernunft und haltet euren Abstand ein. Auch wenn es euch schwerfällt“.
Auch Jesus muss sich an die Regeln halten, doch manche Leute verachten ihn für seine Aussagen. Er fühlt sich nicht gut in dieser Zeit. Die Leute sind sehr verunsichert und ängstlich. Keiner weiß, wie es weitergeht. Und alle hoffen, dass es bald vorüber geht. Er betet mit den Leuten und wünschte ihnen alles Gute.
Einer wurde sogar richtig wütend! Er schrie ihn an: ,,Das ist alles nur gelogen! Die Bundesregierung macht uns kaputt! Ich verzichte auf alle Maßnahmen. Ich mach mein eigenes Ding und treffe mich trotzdem mit meinen Freunden.‘‘ Da erschrak Jesus und sagte: ,,Das kannst du nicht machen!‘‘ ,,Doch das kann ich! Die Regierung macht die Jugend meiner Kinder kaputt! Wie sollen diese denn ordentlich lernen, wenn sie nicht in die Schule gehen dürfen? Ach, was soll aus den Kindern werden? Und die alten Leute? Wer kümmert sich um sie, wenn sie keinen Besuch bekommen dürfen?‘‘ Der Mann wurde immer aufbrausender er konnte sich kaum noch beruhigen.
Darauf wurde Jesus sehr nachdenklich. Er überlegte, wie er dem Mann helfen könnte. Es fiel ihm sehr schwer, auf ihn zuzugehen. Er sprach ganz ruhig zu ihm, er versuchte, ihn zu beruhigen. Er sagte zu dem Mann, dass es nicht schön ist, wie es im Moment läuft, aber wir müssen uns daran jetzt halten und sicherlich kommen auch andere Zeiten auf uns zu. Er betete noch einmal und dann ging er weiter.
Sicherlich hatte der Mann auch Recht mit seinen Aussagen. Aber es nützt nichts. Wir müssen uns alle daran halten, ob wir wollen oder nicht.


Jesus landet in der Coronazeit

Die Geschichte erzählt von Katharina.

Als ich auf die Erde kam, war fast niemand auf den Straßen. Wenn ich mal jemanden sah, wollten die mir ja nicht zu nahekommen und haben gleich die Hand vor den Mund gemacht. Ich sah dann zwei Mädchen, zu denen ich mich gestellt habe und als dann die Polizei an uns vorbeifuhr, haben sie mich von den Mädchen weggeschickt. Sie meinten, dass es nur zwei Haushalte geben darf, die zusammenkommen. Ich war dann dazu verpflichtet, mir eine Maske zu kaufen, was ich dann auch tat. Als ich an den Häusern in die Fenster sah, sah ich überall nur Kinder, die vor ihrem Computer saßen und online Unterricht gemacht haben. Ich merkte, dass alle immer sehr angespannt waren und wollte daran etwas ändern. Ich ging mit meiner Maske zu Leuten und wollte ihnen Mut machen und sagen, dass es diese Pandemie nicht für immer geben würde und dass sie schneller vorbei geht, wenn wir uns an die Regeln halten. Dann kamen immer mehr Leute, aber wir hielten alle Abstand und trugen Masken. Ich erzählte ihnen davon, dass alles immer aus einem Grund passiert und dass sie alles positiv sehen müssen, denn auch, wenn Menschen sterben, können die Menschen hier in Wittenberg dankbar sein, dass es hier nicht so schlimm ist, wie in anderen Orten der Welt. Ich hoffe, dass ich den Menschen helfen konnte, nicht immer nur negativ zu denken oder das Beste aus schlechten Situationen zu machen. Dann bin ich noch die Straßen entlanggelaufen und habe mit Handschuhen, Desinfektionsmittel und Masken verschenkt. 


Bild von Candid_Shots auf Pixabay